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Ich bin der Meinung, Deutschland sollte bunter werden.

Auszug aus einer privaten Email, deren Inhalt den Ehrenamtlern und Asylsuchenden nicht vorenthalten werden soll.


Guten Morgen Peter,

Rudian Kryemadhi hat seinen Asylantrag im Februar 2016 zurück genommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er einen Ausbildungsvertrag als Koch im Restaurant „ Alter Braukeller“ in Kindt.

Der Ausbildungsvertrag kam zustande, weil Nobert Schneider Fürsprache bei dem Besitzer geleistet hat. Ich selbst habe dann nur noch die Bewerbung formuliert.

Rudian ist nach Albanien zurückgekehrt und hat, basierend auf dem Arbeitsvertrag, ein Arbeitsvisum für Deutschland erhalten. Die Termine an der Botschaft in Tirana hat Steffi van Kessel organisiert und hat Rudian auch dann vom Flughafen abgeholt.

Er hat dann seine Freundin Klaudia, 20 Jahre alt, mit nach Deutschland gebracht. Sie ist, dies ist erwähnenswert, mit Touristenvisum eingereist.

Beider Wunsch war und ist deutlich: Wir wollen in Deutschland eine Ausbildung absolvieren.
Familie Froese hat vorerst für eine Unterkunft gesorgt.

  • Zwei Fragen waren nun zu beantworten: Welche Ausbildung ist sinnvoll und möglich für Klaudia?
  • Wo ist eine bezahlbare Wohnung, möglichst in Nettetal, zu bekommen?

Bei einem Gespräch, Steffi van Kessel hat Rudian, Klaudia, Sabine Schönbrodt und mich eingeladen, wurde zunächst über eine Ausbildung im pflegerischen Bereich gesprochen. Tatsache ist, dass man dafür mindestens eine B2 / C1 Sprachfähigkeit benötigt.

Eine Zwischenbemerkung: Frau Engelke hatte mich informiert, dass Cafe Seeger ausbildet und dabei Mitarbeitern mit Migrationshintergrund eine Chance gibt.

Sabine Schönbrodt hatte die praktische Idee: Klaudia könne doch zunächst eine Ausbildung zur Konditorei Fachverkäuferin absolvieren und danach, in einer mehr als dreijähriger Ausbildung und beim Umgang mit Kunden, eine Sprachfähigkeit entwickeln, die es ihr in Zukunft erlaubt ihre Ausbildung aus dem Heimatland (Universitätsausbildung in der Fachrichtung Hebamme) wieder aufzunehmen. Sie hat gute Zeugnisse vorzuweisen.

1.Ausbildungsvertrag für Klaudia

Auf die Nachfrage nach einem Ausbildungsplatz hat Frau Seeger sofort positiv reagiert. Es wurde ein Vorstellungstermin vereinbart. Klaudia, Rudian, Frau Bimmler und ich wurden sehr freundlich von Frau Seeger und Herrn Seeger empfangen. Sie machten deutlich wie wichtig für ihr Unternehmen die Ausbildung von Fachkräften im Servicebereich ist.

Um sich besser kennen zu lernen hatte Frau Seeger den Wunsch, dass Klaudia ein zwei wöchiges Praktikum absolvieren sollte.
Dies ist aber mit einem Touristenvisum nicht möglich. Sie hätte zunächst ausreisen müssen um mit einem Arbeitsvisum wieder neu einzureisen.
Frau Seeger hat, nach mehreren Gesprächen, dann Klaudia ohne ein Praktikum einen Ausbildungsvertrag angeboten.

Alle weiteren formellen Schritte mit der Bundesagentur für Arbeit hat Frau Seeger in die Hand genommen. Klaudia ist am 2.Mai wieder nach Albanien zurückgereist und hat am 9. Mai bereits einen Termin zur Beantragung eines Arbeitsvisums bei der Deutschen Botschaft in Tirana. Dies hat alles Frau Steffi van Kessel organisiert.

Kommt man mit einem Arbeits- oder Ausbildungsvertrag zurück, ist zu beachten:

Erstens, sofortige Anmeldung bei der örtlichen Meldebehörde.
Zweitens, Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung ( Aufenthaltstitel )bei der Ausländerbehörde in Viersen stellen. Die Ausländerbehörde bestellt bei der Bundesdruckerei die Personalpapiere. Mit diesem Ausweis kann der Nicht EU Bürger sich im Schengen Raum frei bewegen und kann auch sein Heimatland besuchen ( Urlaub ). Kosten des Ausweises 110€, die sofort zu entrichten sind.

Ist man im Besitz der Aufenthaltsgenehmigung kann ein Wohnberechtigungsschein bei der örtlichen Behörde beantragt werden, bzw. dies trifft für Auszubildende auch zu wenn sie eine Aufstockung ihrer Ausbildungsbeihilfe beantragen müssen.

Haben wir mit Rudian zusammen alles erledigt.

  1. Eine Wohnung wurde beschafft:

Frau Bimmler hatte inzwischen die GWG Kreis Viersen angerufen und den dortigen Teamleiter Hausbewirtschaftung informiert.

Mir ist nicht bekannt wie sie diesen sehr netten Menschen motiviert hat. Als aber Rudian und ich dort um Gehör baten wurden wir sofort vorgelassen. Wir hatten nur noch die Situation zu erklären. Nach einer kurzen Suche wurde uns eine 2 Zimmer Wohnung in Nettetal Breyell, Paul Terstappen Straße 99 angeboten. Die Formalien wurden kurz geklärt. Am Nachmittag des gleichen Tages hat Frau  Bimmler die Wohnung noch mit Rudian besichtigt. Von Rudian kam die Antwort: Die Wohnung nehme ich!!

Herr Simun GWG stellt uns den Mietvertrag zu. Die Wohnung ist am 1.6. frei.

Warum habe ich diese Abläufe mal stichwortartig festgehalten?

Hier ist ein Beispiel wie ehrenamtliche Helfer in einem Netzwerk, ohne das man vorab dort bekannt war, einfach geholfen haben. Hier war kein Integrationsrat, kein Vereinsvorstand und keine Kontrollbehörde gefragt. Es gibt noch sehr viel mehr Beispiele über die Art wie Ehrenamtliche geholfen haben.

Es gibt meiner Ansicht nach keine Institution die, nach einer Ablauforganisation, die Integration von Asylbewerbern bewerkstelligen kann.

In einem Netzwerk von Ehrenamtlich tätigen Mitmenschen kann die Integration der Asylbewerber dagegen ein Stück vorangetrieben werden. Hier hilft etwas Eifer und Mitmenschlichkeit.

Ein Netzwerk von Helfern benötigt eine Info Plattform. Dazu ist deine Internetpräsenz ein geeignetes Werkzeug. Nur so ist eine freie Meinungsäußerung und Interessenvertretung der Helfer möglich.


 

Grundsätzlich besteht auch für nicht EU Bürger, haben sie einen Ausbildungsvertrag oder Arbeitsvertrag, die Möglichkeit in Deutschland zu arbeiten.

Auf der Internetseite “ Berufsbildung für Bürger aus EU- und Nicht-EU Staaten“ sind die formellen Schritte für diesen Weg aufgezeichnet.

Nach Berichten in der Presse sind 41.000 Ausbildungsplätze noch nicht besetzt. Jeder freie Platz bietet eine Chance für einen Asylbewerber.

Es ist natürlich nicht zu verstehen, dass ein Asylbewerber wie Rudian erst ausreisen muss um dann, mit einem neuen Arbeitsvisum wieder hier einreisen kann. Vielleicht gibt es da Regelungen in einem neuen Integrationsgesetz.


 

Jetzt zu einem anderen Thema.

Ich bin mit Wahid, Kochlehrling bei Kalle Kummer, im Ausländeramt vorstellig geworden. Meine Absicht war, auf Grund des neuen Ausbildungsvertrages, einen Aufenthaltstitel zu erreichen. Wahid hat nur die „Duldung“. Uns wurde erklärt, dass, solange kein Abschluss des Asylverfahrens vorliegt, keine Möglichkeit besteht eine Aufenthaltsgenehmigung zu erreichen. Auch er müsste ausreisen um mit einem neuen Arbeitsvisum wieder einzureisen, um so seine Lehre erfüllen zu können.

Wir machten betretene Gesichter.

Dann bemerkte ich, hingewendet zu Whaid, wir müssten, wenn dein Kind auf der Welt ist einen Aufenhaltstitel aus humanitären Gründen erwirken.

Die nette Dame wurde sofort hellhörig. Wahids Freundin hat einen türkischen Pass, hat aber eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung, da sie in Deutschland geboren ist. Sie wird damit wie eine Deutsche Frau behandelt. Wahid sollte nun eine vorgeburtliche Vaterschaftsanerkennung über das Jugendamt  erwirken. Damit, liegt diese vor, ist eine Abschiebung nicht möglich, da er ja nun Vater eines deutschen Kindes ist.

In ca. vier Jahren kann er dann einen Antrag auf Einbürgerung stellen. Ich habe natürlich alle jungen Männer auf diese Möglichkeit, in Deutschland eine Familie zu gründen, nochmal eindringlich hingewiesen. Die kannten diesen Weg aber auch schon. Vielleicht kannst du, in angemessener Sprache über die Internetseite nochmals darauf hinweisen. Ich bin der Meinung, Deutschland sollte bunter werden.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Peter



Lesen Sie auch unbedingt: Wie funktioniert der Deutsche Arbeitsmarkt

 



Kürzlich habe ich folgende ergänzende Informationen per Email erhalten:

Hallo Peter,

Eine Anleitung zum Thema:

Berufsausbildung für Bürger aus EU- und nicht EU Staaten

 

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit einer Berufsausbildung für Bürger aus nicht EU Staaten in Deutschland. Eine wesentliche Voraussetzung hierfür ist ein Ausbildungsvertrag eines Unternehmens. Dieser Vertrag muss von der Bundesanstalt für Arbeit geprüft und freigegeben sein. In der Regel ist dies eine Vorrangprüfung, d.h. die Genehmigung wird für Branchen und Berufe erteilt, in denen der Bedarf an Auszubildenden nicht von Deutschen oder EU Bürgern abgedeckt werden kann.
Bemerkung: Bei einigen hundert, teilweise sehr spezieller, Berufsbilder ist es wahrscheinlich, dass ein nicht EU- Bürger durchaus sein erwünschtes Berufsbild findet. Der erste Schritt für den intressierten Bürger eines nicht EU – Staates muss jedoch das Erlernen der deutschen Sprache sein. Damit eröffnet sich die weite Welt der Jobbörsen im Internet und die Sicht auf die Berufsbilder des deutschen Ausbildungssystems. Damit ist gleichzeitig eine Information der offenen Stellen und der Zukunft der in den einzelnen Branchen sein.

 

Ein Beispielhafter Ablauf:

 

  • R. K .  hat seinen Asylantrag zurückgenommen,und hat Deutschland verlassen.
  • R. K .  hat in Deutschland die Zeit genutzt und die deutsche Sprache erlernt.
  • R .K .  hat in Deutschland einen Ausbildungsvertrag z.B. als Koch in einem Unternehmen gefunden.

Er geht in sein Heimatland zurück und beantragt bei der Deutschen Botschaft ein Arbeitsvisum für Deutschland.

R.K. reist wieder ein.

Nach der Einreise sind einfache Schritte sofort nacheinander zu vollziehen:

  • Anmeldung beim Einwohnermeldeamt. Falls man zunächst als Gast aufgenommen wird ist, als Ersatz für einen Mietvertrag, auch ein Schreiben des Gastgebers ausreichend.
  • Einwohnermeldeamt gibt diese Information an das Ausländeramt Viersen weiter.
  • Man wird vom Ausländeramt zur Antragstellung der Aufenthaltsgenehmigung eingeladen.
  • Besser ist es vielleicht sofort nach der Rückkunft bei dem zuständigen Mitarbeiter einen Termin zu vereinbaren.
  • Den Termin beim Ausländeramt unbedingt einhalten. Dort wird der Antrag auf Aufenthaltsgenehmigung gestellt. Fingerabdrücke werden-abgenommen. Neue Personalpapiere werden beim Amt in Berlin bestellt.
  • Dann muss man 110€ Gebühren entrichten. Bargeld mitnehmen!!
  • Innerhalb von 4 Wochen bekommt man einen „Personalausweis“ mit dem Aufenthaltstitel.
  • Sofort bei der Antragstellung eine Kopie des Antrags erbitten.
  • Hier muß gesagt werden: Man wird immer freundlich und hilfbereit auf den Ämtern unterstützt.
  • Mit der Aufenthaltsgenehmigung kann dann bei der Agentur für Arbeit die meist notwendige Berutsausbildungsbeihilfe erst beantragt werden.
  • Berufsausbildungsbeihilfe:

Alle Information auf der:    Internetseite der Bundesagentur für Arbeit

Hier findet man auch den Rechner für Berufsausbildungsbeihilfe.

Herzlich Grüße H.P.